



Förderung von Klimaschutzmaßnahmen im Rahmen der Klimaschutzinitiative des BMU
Die Erstellung des Konzeptes für Modellprojekte wird gefördert durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.
Förderkennzeichen: FKZ 03KS0501
Antrag vom: 28.07.2009
Laufzeit des Vorhabens: 01.12.2009 bis 30.10.2010
Beteiligte Partner:
- Stadt Gerolzhofen
- BMU (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit)
- Projektträger Jülich (Forschungszentrum Jülich GmbH)
Antragsteller:
Stadt Gerolzhofen | Brunnengasse 5 | 97447 Gerolzhofen
Ansprechpartnerin: Frau Bürgermeisterin Irmgard Krammer
Ausgangslage:
Das Geomaris in Gerolzhofen ist ein Hallenbad das ganzjährig geöffnet ist (25 m Schwimmbecken, Solebecken, Attraktionsbecken) mit einem angeschlossenen Freibad mit 50m Sportbecken, Sprungturm und Riesenwasserrutsche. Das Geomaris wurde 1970-1972 erbaut. 1993 erfolgte zum Teil eine bauliche Erweiterung, jedoch ohne wesentliche Technikänderungen.
Die technischen Einrichtungen sind im Wesentlichen aus der Erbauungszeit. Es wurde in den letzten Jahren durch eine öffentliche Sauna mit 3 Saunahütten im Freien erweitert. Das Geomaris hat stark ansteigende Betriebskosten. So sind die Kosten für Strom und Gas von 215.550 € im Jahr 2004 auf 310.500 € im Jahr 2006 gestiegen.
Die Wasser- und Kanalkosten von 35.500 € im Jahr 2004 auf ca. 61.000 € im Jahr 2006.
Der Gasverbrauch beträgt zwischen ca. 5.800.000 kWh/a und ca. 7.000.000 kWh/a.
Diese o. g. Verbrauchskosten berücksichtigen bereits die Benutzung eines BHKW´s aus der Erbauerzeit.
Der Stromverbrauch beläuft sich auf ca. 320.000 kWh/a.
Der Wasserverbrauch betrug in den Jahren 2006 und 2007 ca. 40.000 m³. Das Wasser wird aus eigener Quelle des Bades bezogen und lediglich ca. 1.400 m³ aus der öffentlichen Trinkwasserversorgung dazugekauft. Die Kanalgebühren betrugen jedoch im Jahr 2006 ca. 40.000 € und werden sich durch Gebührenerhöhung erhöhen.
Durch die Konzeption des Bades werden derzeit 5 Wasseraufbereitungsanlagen für die unterschiedlichen Becken betrieben. Diese stammen aus der Erbauungszeit, es wurden lediglich Verschleißteile ersetzt. Dies erklärt einerseits den hohen Wasserverbrauch und andererseits den hohen Stromverbrauch.
Die Lüftungsanlagen des Bades verfügen über keine Wärmerückgewinnung. Sie stammen aus der Erbauungszeit; es wurden lediglich Nachheizmodule vergrößert.
Derzeit wachsen jährlich die Defizite des Schwimmbades auf Grund von rückläufigen Besucherzahlen und stark ansteigenden Verbrauchskosten, verbunden mit gewissen Sanierungsnotwendigkeiten, die entsprechende Rücklagenbildung erfordern. Das Schwimmbad ist für die Stadt Gerolzhofen und der umliegenden Region außerordentlich wichtig. Dies insbesondere für den Fremdenverkehr der Region Steigerwald. Jedoch ebenso für die örtliche Bevölkerung und den Schulsport.
Um für die Zukunft das Bad mit den sehr hohen Energieverbräuchen „überlebensfähig“ zu machen, sind ganzheitliche Ansätze notwendig. Aus diesem Grunde hat die Stadt Gerolzhofen durch einen Wirtschaftsprüfer die Probleme der Vergangenheit mit einer Prognose der Kostenentwicklung erstellen lassen. Zusätzlich wurde eine Beratung eines Schwimmbadfachmanns eingeholt, der für die Zukunft Verbesserungsvorschläge entwickelt hat. Diese beziehen sich hauptsächlich auf Betriebsführung, Personal- und Wirtschaftlichkeitsüberlegungen.
Der Bereich Energieeinsparung und Betriebsoptimierung muss zusätzlich erarbeitet werden. Hierfür muss ein entsprechendes Konzept entstehen.
Ziel des Konzeptes:
Das Schwimmbad muss in seiner Gebäudehülle differenziert nachgedämmt werden. Hierzu müssen die Restlebensdauer der Komponenten und deren energetische Auswirkung überprüft werden. Parallel dazu muss die Bauphysik in Bezug auf versteckte Baumängel bzw. Wärmebrücken überprüft werden. Das größte Einsparpotential besteht im Bereich der Schwimmbadtechnik; hier ist insbesondere die Wärmerückgewinnung aus den Lüftungsanlagen, aber auch aus dem Abwasser ein Schwerpunkt der Einsparung. Im Bereich Wasseraufbereitung müssen Aufbereitungssysteme integriert werden, die einerseits den Wasserverbrauch (und damit die Aufheiznotwendigkeit) stark reduzieren und andererseits Strom in hohem Maße durch verringerte Pumpleistungen einsparen.
Des Weiteren können nach durchgeführten Nachdämmungsmaßnahmen die Laufzeiten und Leistungen der Lüftungsgeräte reduziert werden, was wiederum zu Ersparnis von Stromverbrauch und Lüftungswärmeverlust führt.
Die Beleuchtung ist zu überprüfen, da auch hier mit effizienter Beleuchtungstechnik ein hohes Einsparpotential vorliegt.
Weiterhin soll in das Gesamtkonzept Sonnenenergie eingebunden werden; das Hallenbad selbst benutzt derzeit keinerlei Solarthermie; im Freibad wird über Kunststoffschläuche Solarwärme in das Beckenwasser eingebracht.
Innerhalb des Konzeptes sind bauliche Maßnahmen zu überprüfen, wie z. B. die Effektivität von Einhausungen der Warmfreibecken des Hallenbades, die bei Nichtbenutzung des Beckens den Wärmeverlust reduzieren. Ebenso sind Wärmeverluste durch fehlende Windfänge bzw. Warmluftschleier zu reduzieren.
Eine überschlägige Ermittlung der Einspareffekte ergibt eine CO2-Einsparung von mehr als 70% und eine Absenkung der Energie-, Wasser- und Kanalkosten. Im Rahmen der Konzeptstudie sollen die Machbarkeit, die Berechnung der Einsparungen und die damit verbundenen Kosten ermittelt werden.
Außerdem soll über eine Lebenszyklusberechnung abgeschätzt werden, wie der Abstand zur nächsten Sanierung möglichst groß gehalten werden kann. Im Prinzip soll das Bad zukünftige Energiesparverordnungen bereits jetzt dahingehend übererfüllen, dass im Prinzip eine physikalische, energetisch optimierte Lösung angestrebt wird.
Modellhaftigkeit:
Hallenbäder und Freibäder gehören zu den kostenintensivsten öffentlichen Einrichtungen einer Kommune. Hallenbäder sind auf Grund der hohen Temperaturen und erhöhten Luftfeuchtigkeit verstärktem Verschleiß ausgesetzt, was zu erhöhter Instandhaltung und Reparaturen führt. An die Beheizung, Belüftung und Badewasseraufbereitung werden hohe Anforderungen gestellt.
Es soll gezeigt werden, dass gerade bei Hallenbädern in Verbindung mit Freibädern ein ganzheitliches Konzept unter Betrachtung aller CO2-relevanten Prozesse notwendig ist, um das Ziel einer weitgehenden CO2-Neutralität zu erreichen. Das Hallenbad mit angeschlossenem Freibad in Gerolzhofen ist in seiner Größe, Nutzung und seinen wachsenden Defiziten beispielhaft für viele Bäder aus dieser Bauzeit, die momentan einen hohen Sanierungsstau aufweisen.
Eingebundenes Planungsteam:
Architekturplanung
Architekten Frank + Stirnweiß
Bertha-von-Suttner-Str. 2, 97218 Gerbrunn
Energieberater, Bauphysik und Energiekonzept für Gebäude und Technik
Architekturbüro Werner Haase,
Julius-Echter-Straße 59, 97753Karlstadt
Fachberater für Schwimmbadbetrieb
Ingenieurbüro Möller und Meyer
Siebleber Straße 9, 99867 Gotha
Elektroplanung
Ingenieurbüro Helfrich,
Arnshäuser Straße 41, 97688 Bad Kissingen
Statik und Tragwerksplanung
Ingenieurbüro Hußenöder + Merz
Kantstraße 41, 97074 Würzburg
